Manchmal beginnt eine lange Musikgeschichte mit etwas so Unscheinbarem wie einer Kassette. 1997 sitzt der Student Ben Gibbard in Bellingham im US-Bundesstaat Washington und verarbeitet eine gescheiterte Beziehung – nicht mit großen Gesten, sondern mit neun Liedern.
Die Songs, aufgenommen mit Freunden und einfachen Mitteln, erscheinen auf der Kassette „You Can Play These Songs With Chords“. Was zunächst wie ein typisches College-Radio-Projekt wirkt, wird bald zu etwas Größerem: Death Cab for Cutie sind geboren.
In den späten Neunzigern gehört die Band zu jener Generation von Indie-Rock-Gruppen, die ihre Inspiration aus den melancholischen Gitarrenwelten von The Smiths und The Cure ebenso beziehen wie aus der introspektiven Songkunst von Elliott Smith. Die frühen Alben bauen eine treue Fangemeinde auf, zunächst im Untergrund, dann darüber hinaus. Der große Moment kommt 2003 mit dem Album „Transatlanticism“, dessen Songs wie „The Sound of Settling“ oder „Title and Registration“ den Indie-Rock der Nullerjahre entscheidend prägen.
Es ist die Zeit, in der Gitarrenmusik plötzlich wieder Mainstream wird – und Death Cab for Cutie mit ihr. Spätestens mit „Plans“ (2005) und der stillen Ballade „I Will Follow You into the Dark“ erreichen sie ein Millionenpublikum. Doch der erstaunlichste Teil dieser Geschichte ist vielleicht ihre Dauer. Während viele Bands der Indie-Explosion verschwinden, bleiben Death Cab for Cutie. Zehn Studioalben, Grammy-Nominierungen, Kollaborationen mit Künstler*innen aus ganz unterschiedlichen musikalischen Welten und eine Karriere, die inzwischen fast drei Jahrzehnte umfasst.
Wer die Band live erlebt, versteht schnell, warum. Die Konzerte sind weniger Rockshow als kollektive Erinnerung. Wenn Gibbard die ersten Akkorde anstimmt, verwandelt sich ein Saal in eine Art Zeitmaschine. Songs werden zu Markierungen im Leben der Zuhörer*innen: erste Liebe, erste Wohnung, erste große Abschiede. „Musik bringt dich zurück an Orte deiner Vergangenheit“, sagt Gibbard einmal. Vielleicht ist genau das das Geheimnis dieser Band, ihre Lieder erzählen nicht nur Geschichten, sie begleiten Biografien.
Auch deshalb füllen ihre Jubiläumstourneen zum zwanzigsten Geburtstag von „Transatlanticism“ und „Plans“ wieder große Hallen. Und während viele Nostalgie-Touren wie ein Blick zurück wirken, scheint es bei Death Cab eher um ein Weitergehen zu gehen. Neue Songs sind bereits angekündigt, veröffentlicht werden sie erstmals beim Indie-Label ANTI-.
Vor allem aber bleibt das, was diese Band seit jeher am besten kann: auf die Bühne gehen und ihre Songs mit Menschen teilen. Wer wissen möchte, wie sich drei Jahrzehnte Indie-Rock in einem Abend anfühlen, bekommt dazu bald Gelegenheit: Anfang Oktober spielen Death Cab for Cutie ein Konzert in Berlin.
Tickets gibt es ab Freitag, den 20. März, 10 Uhr für 38,00 Euro zzgl. Gebühren an allen bekannten CTS-VVK Stellen sowie unter der Hotline 01806 - 570070 (0,20 €/Anruf inkl. MwSt. aus allen deutschen Netzen), auf fkpscorpio.de und eventim.de.
