THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY

THE GOOD THE BAD AND THE ZUGLY

Jul 2026
31

Aschaffenburg Colos-Saal

Präsentiert von VISIONS

Es gibt Bands, die altern würdevoll. Und es gibt Bands wie The Good The Bad and The Zugly, die den Prozess lieber mit einem sardonischen Grinsen kommentieren, während sie den Verstärker noch ein Stück weiter aufdrehen.

Gegründet 2011 im norwegischen Hadeland, galt das Quintett lange als widerspenstiger Nachfahre der legendären Oslo-Punkszene der Neunziger. Damals war Punk in Norwegen ein Versprechen: infantiler Nihilismus, schmutzige Riffs und der feste Glaube, dass drei Akkorde und eine schlechte Idee genügen, um die Welt zumindest für drei Minuten aus den Angeln zu heben. GBZ, wie die Band gern abgekürzt wird, trugen diese Fackel weiter, mit einer Mischung aus Selbstironie, Aggression und bemerkenswert viel Humor. 

Frontmann Ivar Nikolaisen, der nebenbei auch bei Kvelertak singt, führt die Gruppe mit einer Stimme an, die klingt, als würde sie gleichzeitig über die Welt lachen und an ihr verzweifeln. Unterstützt von Eirik Melstrøm und Kim Skaug an den Gitarren, Lars Gulbrandsen am Bass und Magne Vannebo am Schlagzeug entstand über die Jahre ein erstaunlich konsistentes Werk. Spätestens mit dem Album „Misanthropical House“, das 2018 mit dem norwegischen Musikpreis Spellemannprisen ausgezeichnet wurde, wurde aus dem rauen Geheimtipp eine feste Größe im europäischen Punk-Kosmos.

Inhaltlich jedoch blieb alles unerquicklich – und gerade deshalb so unterhaltsam. Die Trilogie aus „Misanthropical House“, „Algorithm & Blues“ und „Research and Destroy“ erzählte vom langsamen Verfall des Lebens: Midlife-Krisen, Selbstzweifel, pubertäre Eskapaden im Körper von Männern, die eigentlich längst erwachsen sein sollten. GBZ betrachteten diese Misere nicht mit Pathos, sondern mit rabenschwarzem Spott. 

Mit ihrem sechsten Studioalbum „November Boys“, erschienen am 5. September 2025, treiben sie diese Perspektive noch weiter. Die Songs wirken schneller, ruppiger, verzweifelter. Die Gitarren sägen, als hätten sie etwas zu beweisen, während die Texte das Scheitern mit der Präzision eines gut gezielten Seitenhiebs sezieren. Man hört einer Band zu, die weiß, dass sie älter wird und beschlossen hat, genau daraus Kapital zu schlagen.

Am eindrucksvollsten zeigt sich das jedoch nach wie vor auf der Bühne. Die Live-Konzerte von The Good The Bad and The Zugly sind berüchtigt: schweißtreibend, chaotisch, laut. Nikolaisen stolpert, predigt, schreit und lacht zugleich, während das Publikum zwischen ironischer Distanz und ehrlicher Ekstase schwankt. Wer einmal erlebt hat, wie sich diese Songs in einem engen Club entfalten, versteht schnell, warum die Band seit über einem Jahrzehnt unermüdlich durch Europa tourt. 

Die gute Nachricht für deutsche Fans: Nach der Gluecifer Supporttour kommen The Good The Bad and The Zugly im Juli 2026 neben Festivals für ein Headline Konzert nach Deutschland. Eine seltene Gelegenheit, diesen bitterbösen Punk-Zirkus live zu erleben. Und vielleicht auch eine Erinnerung daran, dass das Älterwerden manchmal am besten mit maximaler Lautstärke zu ertragen ist.

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