Leise, fast unauffällig hat sich néomí in den vergangenen Jahren in die europäische Poplandschaft eingeschrieben – und genau darin liegt ihre Stärke. Die niederländisch-surinamische Singer/Songwriterin, bürgerlich Neomi Speelman, gehört zu jenen Künstlerinnen, deren Musik nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern sich langsam, beharrlich ins Bewusstsein ihrer Hörer*innen schiebt. Ihre Songs sind keine großen Gesten, sondern präzise Beobachtungen und offenbaren intime Momentaufnahmen zwischen Herzschmerz, Selbstzweifel und vorsichtiger Hoffnung. Mit ihrer neuen, via Nettwerk erscheinenden Single „Didn’t I“, dem ersten Release des Jahres 2026, öffnet néomí ein weiteres, besonders verletzliches Kapitel. Der Song erzählt von der stillen Erschöpfung, wenn man in einer scheiternden Beziehung die Last für zwei trägt und am Ende mit Schuldfragen zurückbleibt. Musikalisch bleibt sie ihrer Ästhetik treu: reduzierte Arrangements, schwebende Harmonien, eine Stimme, die nicht überwältigen will, sondern Nähe sucht. Ethereal Folk trifft auf cineastischen Minimalismus, irgendwo zwischen Phoebe Bridgers, Laura Marling und Daughter, ohne je zur bloßen Referenz zu werden. Seit den frühen EPs „before“ (2022) und „after“ (2023), über das gefeierte Debütalbum „somebody’s daughter“ (2025) bis hin zur introspektiven EP „Another Year Will Pass“ (2025) hat sich néomí als eine der feinfühligsten Stimmen ihrer Generation etabliert. Ihre Texte wirken wie Tagebuchnotizen, ihre Musik wie ein geschützter Raum, in dem Verletzlichkeit keine Schwäche, sondern eine Form von Stärke ist. Gerade live entfaltet diese Musik ihre besondere Kraft. Im Herbst 2026 bringt néomí ihre Songs wieder auf die Bühne: reduziert, konzentriert, nahbar. Im Rahmen dessen kommt die Musikerin neben Shows in den Niederlanden und Belgien auch nach Deutschland und spielt am 24. Oktober in Berlin. Ein Abend, der weniger Spektakel als Begegnung verspricht, und genau deshalb so lange nachhallt.
