FEEBLE LITTLE HORSE

FEEBLE LITTLE HORSE

Nov 2026
10

Berlin Kantine am Berghain

Einlass: 19:00 Uhr,
Beginn: 20:00 Uhr
Präsentiert von MusikBlog.de

Manche Bands schreiben Songs über digitale Überforderung – feeble little horse klingen, als würden sie mitten darin feststecken. Wenn die vier Musiker*innen aus Pittsburgh im November für ihre exklusive Deutschlandshow nach Berlin kommen, trifft übersteuerter Noise-Rock auf elektronische Reizüberflutung, fragile Melodien auf abrupte Eskalation und völlige Kontrolle auf bewussten Kontrollverlust. Kaum eine aktuelle Band verbindet Chaos und Präzision derzeit so eigenwillig wie feeble little horse. 

Mit ihrem dritten Album „bitknot“ erreicht die Band endgültig das, was sie selbst scherzhaft als „feeble 3.0“ beschreiben könnte: eine Weiterentwicklung ihres Sounds, die Gitarrenmusik, digitale Klangwelten und Popsensibilität immer stärker ineinander verschiebt. Spätestens seit „Girl with Fish“ gelten feeble little horse als eine der aufregendsten Stimmen im amerikanischen Indie-Untergrund. Das Vorgängeralbum führte sie von den staubigen Bühnen des Coachella Festivals bis nach Paris und machte ihre Mischung aus verzerrten Gitarren, digitalen Klangflächen und unberechenbaren Songstrukturen weit über die DIY-Szene hinaus bekannt. „bitknot“ wirkt nun noch unmittelbarer, nervöser und gleichzeitig fokussierter. 

Geschrieben, produziert und aufgenommen wurde das Album von Sebastian Kinsler, Lydia Slocum und Jake Kelley verteilt über ihre Wohnungen in Pittsburgh. Für das Artwork zeichnete Lydia Slocum, während Sebastian Kinsler sämtliche Songs mischte und Heba Kadry gemeinsam mit Jacob Clements das finale Mastering übernahm. Auch der Albumtitel selbst verweist auf digitale Vernetzung. Inspiriert von alten Computerspeichern beschreibt „bitknot“ die Verbindung aus Erinnerungen, Datenstrukturen und menschlichen Beziehungen. Schon die 2025 veröffentlichte Single „This Is Real“, der letzte gemeinsam mit Gründungsmitglied Ryan Walchonski entstandene Song, deutete die neue Richtung an. Zwischen Ballade, elektronischer Übersteuerung, Ironie und plötzlicher Aggression entstand dort ein Soundbild, das feeble little horse auf „bitknot“ konsequent weiter ausbauen. Besonders „DMT“ bringt die thematischen Spannungen des Albums auf den Punkt: Kapitalismus, Technologie, Entfremdung und das Gefühl, sich selbst zwischen Social Media, Konsum und digitalem Dauerrauschen zu verlieren. Songs wie „Shopping“ und „Dior“ greifen zusätzlich parasoziale Projektionen und digitale Vergleichskultur auf, während „Cradle“ einen ruhigeren, melancholischen Gegenpol zwischen Verlust, Trauer und emotionaler Orientierungslosigkeit schafft. Auch musikalisch bewegt sich die Band immer stärker zwischen analogem Chaos und digitaler Dekonstruktion. Auf Tracks wie „Upside Down“ und „Guts“ treffen massive Noise-Wände auf Synthesizer, Samples und beinahe versteckte Popsong-Melodien, ohne dass feeble little horse ihre Intensität als Liveband verlieren. Gerade aus diesem Spannungsfeld zwischen Überforderung, Lautstärke und emotionaler Nähe entstehen Konzerte, die sich gleichzeitig chaotisch und erstaunlich verbindend anfühlen. 

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